Weibliche B I: HSG Wennigsen/Gehrden vs HSG Verden-Aller
Das Verden wir ja wohl schaffen.
Wieder einmal den Spielbericht, äh die Spielgeschichte mit einem blöden Wortspiel begonnen. Die HSG Verden-Aller zu Gast bei der B I. Nach dem Tabellenführer vom letzten Wochenende, dieses Mal ein Gast aus den unteren Regionen der Liga. Auch dieses Team darf natürlich keinesfalls unterschätzt werden, kann man an einem schlechten Tag auch jedes Spiel verlieren. Außerdem muss man schauen, wie sich beide Mittelfrauen „schlagen“. Leni kommt gerade aus einer Corona Erkrankung und „Gidsel“ plagt sich mit einem Haarriss im Fuß herum. Sehr erfreulich hingegen, dass zum ersten Mal in dieser Saison Lotti, der linke Flügel der „Flying Mensings“, wieder auf der Platte steht. Bei einem Testspiel gegen Burgdorf verletzt, hat sie eine lange Leidenszeit hinter sich und freut sich auf ihre die ersten Minuten in der Landesliga. Dafür musste auf Alissa verzichtet werden, die an einer Rückenverletzung laboriert und nur als Offizielle auf der Bank Platz nehmen kann. Außerdem musste Hannah mit einem privaten Termin passen. Also kann weiterhin nicht mit der Bestbesetzung aufgelaufen werden. Taktik, Taktik, Taktik. Vor dem Spiel wird nochmal extra auf Spielzüge eingegangen, da man endlich auch in der Lage sein muss, sich spielerisch gegen eine Abwehr durchzusetzen. Von der Kabine auf die Platte zum Aufwärmen, kann man kuriose Szenen vor dem Anpfiff erblicken. Was aussah wie junge Frauen beim Winterspaziergang, waren tatsächlich die Spielerinnen, die sich aufwärmen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Temperaturen passten zur Stimmung von Filip Jicha nach dem Spiel der Kieler in Hannover. Nahe dem Gefrierpunkt. Diesem Punkt vielleicht nicht wirklich nahe, aber auch nicht optimal für ein Handballspiel. Da muss an den Hallenthermostaten bis zum nächsten Spiel ein wenig geschraubt werden.
So, das Schiedsrichterduo pfeift an und die Teams schütteln die steifen Knochen ab. Ein klein wenig brauchen die Golden Girls länger und so geht Verden gleich mit dem erste Angriff mit 1-0 in Führung. Sofort danach zündet die Truppen von Coach Köster aber gleich den „Nachbrenner“. Nach dem Ausgleich noch bevor der Minutenzeiger auch nur einmal rum ist, dauert es zwar vier Minuten bis zum nächsten Treffer, aber danach knallt es minütlich, so dass es nach gut sieben Minuten bereits 5-1 steht. Das es weiterhin so kalt ist, erscheint nach einem Blick auf das Spielfeld als fast unmöglich, denn Neomi ist „on fire“. Sie erzielt nicht nur drei der fünf Treffer der Golden Girls, sie setzt auch mehrfach schön Charlotte ein. Lottis erster Treffer wird noch abgepfiffen und wird, durch Übertritt, somit als Fehler gewertet, aber der nächste Wurf landet im Netz. Große Freude und noch größerer Jubel. Eine Wochenlange Leidensphase geht zu Ende. Und sie fliegt, als wäre sie nie weggewesen. Nach einem Doppelschlag Treffer der Gäste ist es wieder Lotti, die das 6-3 erzielt und auch den vierten Treffer kontert sie. Dann reicht es der Trainerin der Gäste und direkt nach dem 4-7, aus ihrer Sicht zieht, sie ihre Auszeit nach knapp 12 Minuten. Das Rike ganze 8 Minuten auf ein Tor warten musste, ist wohl noch nicht so oft vorgekommen in dieser Saison. Durch Neomi und Lotti, ist Rike gerade ein wenig abgemeldet, aber da sie, mittlerweile die absolute Nr. 1 von der 7-Meter Linie ist, kann sie nun ihren zweiten Treffer erzielen. Trotz des frühen Rückstandes konnte Verden bislang gut mithalten, aber jetzt sorgen weitere Treffer von Neomi, Rike, Sarah und Jule dafür, dass der Vorsprung stetig wächst. Das ist sogar dem Rechner zu schnell und er „verschluckt“ sich. Er bleibt stehen, als Rike nach 19 Minuten das 14-8 erzielt hat und NuScore muss einen freundlich „Klaps“ bekommen, damit es weiter gehen kann. Eine, die in diesem Spiel bestimmt keine Klaps braucht ist Neomi. Bekannt für ihr starkes 1:1 ist sie ja eh, aber in diesem Spiel sieht sie auch die Außen und ganz neu, tauchen auf einmal Sprungwürfe in ihrem Repertoire auf. Im Training und bei Freiwürfen schon oft gezeigt, werden sie nun auch hier im Spiel eine Waffe. Wahrscheinlich hat sie Angst, dass sie sonst festfriert, hebt sie jetzt des Öfteren ab, als wäre sie die dritte Mensing. Dabei fängt die ja gerade erst in der D-Jugend an. Angeführt von Neomi, ziehen die Deistermädels bis zu Pause von 14-8 auf 20-12 davon.
In der Pause ist Sven voll des Lobes. Er freut sich, dass vieles vom geübten und vor dem Spiel angesprochenen umgesetzt wurde. Viele neue Dinge wurden den Zuschauern präsentiert. Ob Bommel, Rüdiger oder die Sperre. Da sieht schon sehr nach Handball aus. Einzig der Kreis wurde ein wenig übersehen und Lorena langweilte sich ein wenig auf ihrer Seite. Aber ein wenig muss ja Luft nach oben sein, sonst würden wir höher spielen. So gibt es nicht viel zu verfeinern. Gidels Fuß hat gehalten, Lenis Lunge genug Luft, Charlottes Flügel sind entstaubt und Neomi anscheinend welche gewachsen. Also wieder raus aus der warmen Umkleide und rein die den Iglu, äh die Halle.
Sogar die Schiedsrichter haben beim erneuten Anpfiff ein wenig Gänsehaut. Sie schieben es auch die Temperatur, wobei es auch die schönen Spielzüge gewesen sein können. Aber es müssen Spielzüge aus Halbzeit eins gewesen sein, denn jetzt läuft erstmal nichts beim Team aus Wennigsen. Hat Verden schon den letzten Treffer in Halbzeit eins erzielt, sind es wiederum die Gäste, denen gleich zwei Treffer in Folge in Halbzeit zwei gelingen. 20-14 nach 28 Minuten. Ist es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als Ergebniskosmetik, wird es in der Folge nicht wirklich besser. Der Zugriff will nicht mehr richtig klappen und weil das nicht genug ist, steigt der Rechner jetzt völlig aus. Nichts geht mehr. Völlig eingefroren und auch der „Klaps“ aus den ersten 25 Minuten reicht nicht mehr aus. Gut, dass ein Ersatzrechner vorhanden ist. So kann es nach einer kurzen Glühweinpause weitergehen. Notiz für den nächsten Kioskdienst, Glühwein kaufen. Aber auch diese unfrierwillige Pause hilft nur den Gästen. Die jungen Wilden aus Verden drehen plötzlich ein wenig auf und aus dem 20-14 wird in den nächsten vier Minuten plötzlich ein 22-19 und keiner weiß, was los ist. Das war gerade ein 4-0 Lauf. Die „Verden“ doch wohl nicht noch dichter herankommen. Die Julia Muss doch in den Griff zu kriegen sein (das Wortspiel bekommt nur jemand mit, der den Spielbericht genau gelesen hat, denn die Toptorschützin heißt schließlich „Muss“ mit Nachnamen). Sie stellt zu dieser Zeit die (ehemalige) Wennigser Mauer vor ein paar Probleme. Der komfortable Vorsprung ist dahin und auch die gute Laune auf der Bank. Drei weitere Minuten schaut der Chefcoach sich das (Schnee)Treiben auf der Platte noch an, aber dann nimmt er eine Auszeit. In der Bundesliga könnte er den Buzzer drücken, so bleibt ihm nur, die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch zu knallen. 24-20 führt sein Team und es sind 35 Minuten gespielt. Die nächsten Minuten geht es weiter hin und her. Die Fans aus Verden, immer noch wach durch den, mehr als starken, einen Kaffee von vor dem Spiel, feuern mittlerweile ihr Team an, als würden sie führen. Als Betreuer auf der Bank fragt man sich erneut, warum die Gästefans regelmäßig lauter sind als unsere. Da müssen wohl bessere Ergebnisse her. Zumindest in diesem Spiel sorgt Lotti mit ihrem 4. Treffer dafür, dass die Gesichtszüge von Coach Köster langsam wieder auftauen, denn sie leitet einen 4-0 Lauf von den Golden Girls ein. Durch das Tor von Neomi zum 30-22 in Spielminute 43 ist das Team jetzt wieder eindeutig auf der Siegerstraße und kann sich noch einen wunderschönen Fehlwurf leisten. Unter den Argusaugen von Ehrenschniene bekommt Gidsel, kurz hinter der Mittellinie, den Ball von Neomi zugespielt. Leichter Anlauf und ein Sprung kurz vor der Abwehr. Während die drei Frau Mauer hochspringt und mit einem Block den Wurf erwartet, kommt der Pass auf rechts außen, wo währenddessen Rike in der Luft auf den Ball wartet, mit beiden Händen fängt und in bester Kempa Manier abschließt. Leider ist die Torhüterin auf dem Posten und kann den Ball halten. Trotzdem war das heute die Sahne auf der Torte. Die Kirsche hat die Torhüterin vereitelt. Ein Tor kann auch noch das „Küken“ des Spiels werfen. Als Jahrgang 2010 in der Landesliga sieben Tore zu werfen, kann man mal machen. Glückwunsch an Jasmin vom Gegner. Jetzt ist auch die Schlussphase relativ ausgeglichen und die Partie endet mit 34-27.
Der Anschluss an die Tabellenspitze ist weiter gehalten und es wurde was für das Selbstvertrauen gemacht. Getrübt wurde die schöne Vorstellung durch die kurze Phase in der zweiten Halbzeit, in der die Mädels gespielt haben, als würden sie im Schneeanzug durch die Halle stapfen. Hoffen wir, dass die Temperatur bis zum nächsten Heimspiel wieder im positiven Bereich gemessen werden kann, auch wenn das nächste Spiel erst Ende Januar im nächsten Jahr ist. Für Rike eine ungewohnte Erfahrung, dass sie mit 12 erzielten Treffern nicht die Nummer 1 im Spiel ist, aber das war schon eine komplette Partie von Neomi. So gut wird sie im Alter von 14 nie wieder spielen. Ein wenig schade ist tatsächlich die Stimmung auf der Tribüne, die momentan nicht annähernd an die Stimmung der letzten Saison heranreicht. Aber die Golden Girls werden halt immer mehr zu dem Bayern München des Mädchen Handballs in der Region. Die Zuschauer sind verwöhnt und mal abgesehen vom völlig unwichtigen Ausrutscher im letzten Saisonspiel kennen die meisten Zuschauer einfach keine Niederlagen von diesem Jahrgang in der heimischen Halle. Auch einen Kempa Trick hat man nicht zum ersten Mal gesehen. Vielleicht muss mal ein Star oder Toptorjäger in der Halbzeit auftreten, um wieder mehr Stimmung zu generieren. Oder der Handballgott schickt einen Engel, der auf dem Wennigser Marktplatz erscheint (oder dort, wo das Freischießen zelebriert wird) und der Landbevölkerung verkündet: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute wird in der Stadt Wennigsen wieder Handball gespielt; er ist schön und er ist gut. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet die Golden Girls sehen, die in der Landesliga spielen, in der KGS-Halle zu Wennigsen. Geht hinaus in die Welt und verkündet die frohe Botschaft.“
So bleibt nicht mehr als die Hoffnung, dass allen Gästen, aus welcher Stadt sie auch angereist gekommen sind, dieses Spiel gefallen hat und es weitererzählen. Auf das im nächsten Spiel wieder mehr Zuschauer kommen und wir für die nächste Saison neue Spielerinnen anlocken.
Für die Golden Girls spielten: Jolina (Tor/8 Paraden), Neomi (13), Rike (12), Lotti (4), Sarah (3), Leni (1), Jule (1), Ida, Lorena, Emma, Alina und Gidsel
Weitere Informationen zur HSG Jugend findet ihr auf: HSG Wennigsen/Gehrden Handballjugend
