Weibliche B I: HSG Wennigsen/Gehrden vs MTV Eyendorf

Doch mit den Clowns kamen die Tränen

Oder, wenn man den Klassiker von Johannes Mario Simmel ein wenig umdichten möchte: Dem Clown kamen die Tränen. Doch dazu viel später mehr. Eyendorf zu Gast im beschaulichen Wennigsen. Zum Hinspiel sind wir noch mit großem Respekt angereist. Galt es doch, die erste Partie mit Patte zu bestreiten. Doch auch diese Hürde wurde damals bravourös genommen. Mit Patte ein Vorteil für Eyendorf, ohne Patte ein Vorteil für die Golden Girls. Wobei sich einige durchaus auch das Heimspiel mit Patte hätten vorstellen können. Hätte, Patte Fahrradkette. Klebstoff ist halt in der KGS-Halle nicht. Dreher müssen noch nicht sein. Heber, Kempa Würfe oder der berühmte „Böhm Move“ sind auch Tricks, mit denen man die Zuschauer begeistern kann. Außerdem wollen wir die kleinen Hände nicht zu sehr belasten. Die müssen schließlich noch Hausaufgaben schreiben oder im Haushalt helfen. Doch all das Philosophieren hilft auf der Platte (mit oder ohne Patte) nicht, da müssen Taten her. Der HSC hat spielfrei und man kann mit der Anzahl der Spiele mit ihnen gleichziehen. Das bedeutet, dass man, mit einem Sieg an ihnen vorbeiziehen und sich auf Platz zwei einnisten kann. Zumindest vorrübergehend bis zum 06.04.2024… Doch mit dem Fell des Bären ist das ja so eine Sache. Und auch Ikarus kann ein Lied davon singen. Und an die Jüngeren unter den Lesenden, wenn ihr euch jetzt wieder fragt, bei welchem Verein diese Spielerin spielt, dann bemüht bitte Google. Er, ja er, kommt nicht aus Deutschland 😊Jetzt bin ich vom Philosophieren zum Träumen gekommen. Auch nicht gut. Also lieber los zur Platte.

Heute ohne Leni und Lotti, die sich ein wenig Nachhilfe bei den Recken aus Hannover holen.  Anschauungsunterricht bei den Profis. Fokus auf die Abwehr. Dafür Helfen heute Luisa und Alina mit aus. Lorena und Sarah gehören ja schon fast zum Inventar, haben aber auch den Vorteil der Zugehörigkeit zur C-Jugend und können sich daher nicht festspielen. Eyendorf hat bei der Platzwahl verloren und daher Anwurf. Anwurf bedeutet der erste Angriff, der aber verpufft. Dann geht es los. Schöner Pass auf Außen, aber Rike tritt über. Der Gegenzug. Jolina hält. Schöner Pass an den Kreis, aber Jule tritt über. Schöner Pass auf Außen, aber Hannah trifft den Pfosten. Also wenn das so weiter geht, wünsche ich mir weniger schöne Pässe, aber mehr Tore. Das erste des Spiels werfen dann auch folgerichtig die Gäste. Vanessa sagt sich aber, Tore müssen auch mit schönen Pässen funktionieren und versucht es wieder. Und wieder. Und wieder. Und es klappt. Wieder und wieder und wieder. Vielleicht ein wieder zu viel. Aber es steht nach drei schönen Toren von Rike jetzt 3-1.Fünf Minuten sind rum und das sieht schon sehr nach Handball aus. Das sieht es aber auch bei den Gästen, die kurz später ihren zweiten Treffer erzielen. Ihren ersten möchte auch Hannah erzielen, die schon wieder schön angespielt wird, aber wieder den Pfosten trifft. Och menno. Kein Wurfglück. Kommt bestimmt noch. Wurfglück auf der anderen Seite bedeutet den Ausgleich. 3-3 nach acht Minuten. Das 4-3 kann Vanessa erzielen, aber wieder kein Wurf aus dem Rückraum. Ein 7-Meter, rausgeholt durch Jule. Auch sie wurde schon wieder angespielt. Schon wieder kein reiner Angriff aus dem Rückraum. Wenn das in Mode kommt, müssen die Gegner sich warm anziehen. Erstmal bleiben die Mäntel aber ausgezogen. Der Ausgleich wird erzielt und kurze Zeit später steht es 5-5. Also keine Dominanz der Golden Girls. Nach dem 6-5 gibt es erstmal nichts Zählbares auf der Anzeigentafel. Jolina muss sich mehrfach strecken und nach vorne gibt es Fahrkarten. Eine witzige Situation erinnert an die HBL. Und zwar an die Partie von Melsungen gegen Flensburg aus dem Dezember des letzten Jahres (schön zu sehen, wenn man nach „Kristopans hebt Golla“ googelt). Die Eyendorfer Kreisläuferin bekommt den Ball und will das tun, was eine Kreisläuferin so tun will, wird aber einfach von Jule hochgehoben. Sie zappelt kurz ins der Luft und beide kippen um. Sah schon witzig aus. Aber regelkonform. Zumindest gibt es nur einen Freiwurf und das ist ja regelkonform…Anselm kann ein Lied davon singen, aber das ist nochmal eine andere Geschichte. Nach dieser schönen Hebefigur geht es weiter. Vielleicht mit der schönen neuen Welt der Deistermädels. Vielleicht liegt es auch an der neuen Geschmacksrichtung des Traubenzuckers, die Torben eingekauft hat. Waren die Geschmäcker Cassis und Orange wohl nicht die richtigen, zündet Apfel bei Hannah den Nachbrenner. Sie wird gesehen, bekommt den Ball und versenkt ihn in drei Minuten drei Mal und sorgt ganz alleine für einen 3-0 Lauf. Aus dem 6-5 wurde also nach 17 Minuten ein 9-5. Nun kommt die Dominanz ein wenig. Eyendorf verkürzt zwar auf 6-9, aber als Neomi mit einem wunderschönen „Böhm-Trick“ (den ich leider nicht in Worte fassen kann), das 10-6 erzielt, kann man schon mal mit der Zunge schnalzen. Ida stellt sogar auf +5 und eigentlich müsste der Drops schon fast gelutscht sein, wenn da nicht mal wieder eine Tiefschlafphase dazwischenkommen würde. Die Hallenuhr zeigt Minuten 23 an und wir führen mit 13-8. Sieht doch gut aus. Noch. Zwei Gegentore und es steht nur noch 13-10. Geht ja immer noch. Wir haben den Ball und noch knapp 30 Sekunden zu spielen. Zeit genug, um wieder auf +3 zu stellen. Da der Angriff aber nicht ruhig abgeschlossen wird, sondern nur ein halbherziger Wurf herauskommt, schaffen es die Gäste mit einem wunderschönen Tor aus gut 15-20 Metern, auf 11-13 zu verkürzen. So ein Tor darf nicht fallen, passiert aber immer wieder mal. Nun ist es gut, Jolina aus dem Weg zu gehen. Sie selber ärgert sich am meisten über das Gegentor. Ihre sieben Paraden aus den vergangenen 25 Minuten hat sie vergessen und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie im Wege stehende Personen einfach auffrisst.

So weit ist es Gott sei Dank nicht gekommen, was aber auch daran liegen kann, dass alle einen großen Bogen um sie gemacht haben. Ob es daran liegt oder an der knappen Führung, weiß man nicht, aber die Stimmung ist ein wenig gedrückt. Die drei Tore in Folge haben doch ein wenig Spuren hinterlassen. Dann hätte man nun ein Band ablaufen lassen können, denn die Ansprachen beginnen immer gleich. Wir hätten höher führen können. Is nich, kommt aber bestimmt noch. Es waren doch auch schon tolle Sachen dabei. So viele Torchancen über Kreis und Außen wie wohl noch nie in einer Halbzeit. Gerade als die Halbzeitansprache vorbei ist und alle wieder raus wollen, meldet sich „Columbo“ (Tolle Krimiserie von früher Mädels. Spannend und fast ganz ohne Gewalt) Kerze nochmal zu Wort. Einen habe ich noch… Sagt nochmal ganz klar, dass die Brust breiter werden soll, da sie schließlich führen und an das dumme Tor kurz vor dem Ende muss man auch nicht denken. Noch ein paar taktische Verfeinerungen und das war es dann auch wirklich für die Pause.

Welche Worte es waren, die für die nächsten 10 Minuten gesorgt haben, weiß man auch wieder nicht, aber die schlechte Stimmung ist schnell vergessen. Die beiden Törchen von Eyendorf, die kommen werden, können wir unter den Tisch fallen lassen. Vor dem Spiel erklang noch die Ansage des Gästetrainers durch die Tür, dass hier die zwei Punkte mitgenommen werden sollen. Doch davon war alsbald nicht mehr viel zu sehen. Bereits 16 Sekunden nach Anpfiff trifft Vanessa zum 14-11. Die Hoffnung für Eyendorf lebt weiter als denen das erste Tor unter den Tisch fällt.  Spätere Aussagen belegen, dass Jolina nun allen zeigen will, dass sie keine „Wurst“ ist. Das zeigt sie. Rike trifft 2x und Jolina hält 2x. Eyendorf? Eyendorf hat einmal getroffen und trifft nun nochmal bei Minute 28 per 7-Meter zum 13-17. Da lässt dann auch Jolina zu. Zähneknirschend. Dann trifft Lorena 2x, Vanessa 2x und Jolina hält 2x. Es steht 21-13 und 33 Minuten sind gespielt. Rike und Lorena treffen insgesamt 2x und Jolina hält 2x. Dann, in Minute 36 lässt Jolina sich herab, auch mal wieder einen Ball passieren zu lassen. 23-14 und fulminante 10 Minuten in Halbzeit zwei sind rum. Vorne quasi alles getroffen, hinten quasi alles gehalten. Schöne Grüße an Hollenstedt. Noch geben wir Platz 1 nicht auf. Doch huppla, das Spiel ist ja noch gar nicht vorbei. Aber wir wollen auch an die Umwelt und den Klimawandel denke und so schaltet die Truppe in den Eco-Gang und spart ein wenig Sprit. Ein wenig Zielwasser geht verloren und Jolina schaltet von Mr. Hyde auf Dr. Jekyll zurück. Sie kann wieder lachen. Lorena und Vanessa können dann auf +11 stellen und eigentlich wäre Party auf der Tribüne, wenn auch ein paar Mädels der C-Jugend noch zum Anfeuern dageblieben wären, aber leider ruft die Schule. So freuen sich „nur“ Familie und Verwandtschaft. Aber halt nicht lautstark. Vielleicht sollte man die Prohibition (das müsst/solltet ihr noch nicht kennen meine lieben „Trullas“ 😉) zu den Spielen mal aussetzen. Aber es kommt, wie es kommen muss bei diesem Spielstand und Coach Köster gibt die Freigabe. Die kommt gerade richtig. Der Spielrausch ist vorbei, die Punkte sicher. Da kann mal was versuchen. Im Fall der Golden Girls kommt da natürlich wieder Kempa in den Sinn. Versuch eins wird versiebt und acht Minuten vor dem Ende steht es 26-16. Jetzt schlägt die Stunde, oder halt die Minuten von Sarah. Bislang hauptsächlich als Passgeber aufgefallen, lässt sie sich jetzt mal bedienen. Zwei Mal Mustergültig von Gidsel in Szene gesetzt und einmal selber vorbereitet, trifft sie drei Mal in Folge. 29-16 und noch drei Minuten zu Spielen. Kempa Versuch wird auch versiebt. Ich will auch, sagt sich jetzt, die eben noch genannte Passgeberin und setzt nach dem letzten Treffer von Eyendorf den zählbaren Schlusspunkt. 30-17. Doch den richtigen Schlusspunkt setzt in diesem Spiel Jolina. Sie pariert noch zwei Würfe und kommt mit Parade 16 und 17 auf unglaubliche 50% gehaltene Würfe. Schlusspunkt.

Puh, durchatmen. Ein schönes Spiel. Die meisten dürften durchaus zufrieden gewesen sein. Zumindest, wenn man für das Heimteam war. Platz 1 bleibt tatsächlich in Blickweite. In Hollenstedt gewinnen wird natürlich eine andere Hausnummer als die letzten Begegnungen, aber man kann sagen, dass man den Schock aus Arsten gut verdaut hat. +10 gegen Schaumburg. +3 gegen den HSC. +12 gegen Luhdorf. +13 gegen Eyendorf. Liest sich gut. Aber man darf nicht vergessen, dass es nächste Woche erstmal gegen Oyten geht, die nur zwei Punkte hinter uns stehen und auch schon gegen den HSC und Arsten gewonnen haben. Es wird spannend. Aber heute waren überall lachende Gesichter zu sehen. Nun ja. Nur dem Clown kamen ein paar Tränen, als er wieder mal fast alles allein abbauen musste und durch die stille Halle wandelte. Aber das wird sich nach dieses Zeilen ja bestimmt ändern. Bestimmt. Oder Mädels?

Für die Golden Girls spielten: Jolina (Tor/17 Paraden), Vanessa, (9), Rike (7), Sarah (5), Lorena (3), Hannah (3), Ida (1), Neomi (1), Gidsel (1), Luisa, Alina und Jule

Weitere Informationen zur HSG Jugend findet ihr auf: HSG Wennigsen/Gehrden Handballjugend

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