Weibliche B I: TuS Komet Arsten vs HSG Wennigsen/Gehrden
Schlimmer geht immer
Angekündigt, von einer befreundetet Spielerin, ist eine tolle Halle mit mehreren Plätzen und Tribüne. Doch nun steht ein Teil der Golden Girls mit einem Fragezeichen in einer Seitenstraße in Bremen. Zu sehen ist von einem modernen Multifunktionsgebäude nichts. Auch der gefragte Passant, und sein, mit einer TikTok Mütze bekleideter Sohn, können nicht wirklich weiterhelfen. Dabei sehen sie in ihren Joggingklamotten so sportlich aus… Es scheint zwar einen kleinen Schleichweg zum nahegelegenen Schulzentrum zu geben, aber den nutzen wir mal lieber nicht. Nun gut, also die Autos wieder angeschmissen und weiter durch die Straßenschluchten, die fast ein wenig aussehen wie in einem dystopischen Meisterwerk von Dimitri Gluchowski. So schlimm ist es vielleicht nicht wirklich, aber auch nicht sooo schön. Nach kurzer Suche finden wir den, zur Halle gehörigen, Parkplatz, können abbiegen und wecken die Reisegäste. Leicht (oder mittelschwer) angeschlagen, hat Rike die meiste Zeit der Reise im Dämmermodus verbracht und wankt jetzt aus dem Auto. Auto drei und vier fehlen noch, das Eintreffen wird aber bald erwartet. Sven, auch in der Seitenstraße gelandet, dort geparkt und über den Schleichwege Halle gelangt, parkt seinen Wagen später nochmal um. Er braucht seine Felgen schließlich noch für die Rückfahrt. Auto fünf wird nicht mehr kommen, da Sarah leider an Corona erkrankt ist und daher das Spiel später per Handy verfolgen wird. Die Halle, von außen die pure Hässlichkeit, wird von innen nicht wirklich hübscher. Da fühlen wir uns gleich wie zu Hause. Nur haben wir eine Tribüne.
Spielort gefunden, aber ein weiteres „Problem“ ist noch da. Da Komet Arsten in der Regel in Rot gewandet spielt, haben wir blaue Ersatztrikots dabei. Die alten der Jungs. Die Proteste der Mädels gegen diesen Satz Trikots schlagen hohe Wellen aber der mitgereiste Strelle lässt all seinen Charme spielen, so dass die Bremer auf schwarz wechseln und wir in den roten spielen können. Puh, die große Diskussion abgewendet. Es wurde schon die Verbrennung der blauen Trikots im Falle einer Niederlage angekündigt. Nun klärt sich auch die Halle auf. Die „WCC e.V. Internationale Weihnachtsrassekatzenshow Grünbach/ Vogtland“ findet in der Stammhalle statt, so dass wir in den Genuss der Ersatzhalle kommen. Glückwunsch dazu. Aufgrund der langen Einleitung verzichten wir jetzt mal auf das Aufwärmen und Springen direkt zum Spiel.
Auf los geht’s los. In den erste zwei Minuten passiert nicht viel. Jolina hält einen Ball und wir haben eine halbe Chance. Aber so wirklich spannend ist es noch nicht. Doch dann geht es los. Leider schlägt zuerst „der“ Komet zu und dass auch, wie im gleichnamigen Lied, 2x. Somit steht es 2-0 für das Team aus Bremen. Von Beginn an wird Rike in Manndeckung genommen. In der Regel kein Problem, hat Eyendorf auch nichts gebracht. Doch heute ist nicht die Regel. Rike ist nicht fit und wechselt daher erstmal die Position mit Lotti, die vorher auf außen gespielt hat. Auf der anderen Seite scheint Neomi die Form der Vorwoche konserviert zu haben und erzielt den Anschluss. Auch auf die nächsten beiden Tore von Arsten antwortet jeweils Neomi und wir halten den Abstand von einem Tor. Nach knapp sechs Minuten schafft Lotti mit ihrem ersten Treffer endlich den Ausgleich zum 4-4. Auch sie startet also, wie sie gegen Verden aufgehört hat. Doch dann ist erstmal vorbei mit der Herrlichkeit. Zumindest mit unserer. „Der“ Komet kommt geflogen und die Golden Girls schauen dem Schweif hinterher. Mit dem Kopf in den Himmel gereckt kann man allerdings keine Abwehr und so schlägt es 4x hintereinander bei Jolina ein. Das Glück ist leider nicht auf ihrer Seite, aber sie wird auch immer wieder von der Abwehr im Stich gelassen. Lotti kann als erste Spielerin den Blick vom Himmelskörper wenden und mal wieder ein Lebenszeichen senden. Aber aus dem 4-4 ist in sechs Minuten ein 5-10 geworden. Erste depressive Stimmungen kommen auf der Bank hoch. So hatte man sich den Ausflug nicht vorgestellt. Bei Rike ist derweil, außer der Nase, noch nichts gelaufen. Sie ist wieder auf Halb gewechselt und hat ein paar Mal versucht, ihrer „Manndeckung“ zu entkommen, aber der explosive Antritt fehlt heute. Nach gut 13 Minuten hat sie ihrer erste richtige Torchance durch einen 7-Meter. Den verwandelt sie souverän sicher, so wie alle in den letzten Spielen. Der letzte Fehlwurf ist noch im September im Auswärtsspiel gegen Eyendorf vermerkt. Eine Minute später gelingt ihr die Wiederholung und wir kommen nach 14 Minuten auf 7-10 heran. Leider stoppen zwei Dinge eine weitere Aufholjagt. Einmal ist uns das Glück nicht wirklich hold. Ein Pfostentreffer prallt an den Hacken von Jolina und von dort ins Tor. Einfach Pech, drückt aber ein wenig auf die Moral. Zum anderen verlegt sich nun, der Schiedsrichter darauf, etwas härter durchzugreifen. Bisher hat er vier gelben Karten verteilt. Das reicht meint er und schafft fortan etwas mehr Platz auf dem Feld. Eine halbe Minute nach Rikes Tor, ist Gidsel die erste, die auf der Bank Platz nehmen muss. Ein Tor und ein paar Sekunden später macht Hannah den ultimativen Trikottest zur Haltbarkeit, was der Schiedsrichter wiederrum als Strafwürdig ansieht. Das kann auch Arsten nicht auf sich sitzen lassen und die liebe Evke gesellt sich zu ihren Mitspielerinnen auf die Bank. Wie auch gegen Hollenstedt macht sich wieder die Schwäche in Überzahl bemerkbar. Wir verlieren die nächsten Minuten mit 2-4 und es steht nach 16 Minuten 9-14. Gleiche Spieleranzahl liegt uns einfach besser. Beim Spiel 6-6 schaffen die beiden Besten am heutigen Tage, Neomi und Lotti, je einen Treffer und es steht 11-14 bei 18:30. Der Schieri geht seiner neuen Lieblingsbeschäftigung nach und gibt freimütig weitere 2 Minuten. Leider an die Bremer und daher passiert in der Überzahl
Eben, genau das, was in der letzten Zeile steht. Nämlich nichts. Mal wieder 120 Sekunden verpufft. Gidsel versucht zwar Jule am Kreis anzuspielen, aber auch über den Weg läuft heute nichts. Weiter laufen wir den verschlafenen Minuten vom Anfang hinterher. Endlich, Hannah vollbringt eine taktische Meisterleistung und foppt den Schiedsrichter. Er pfeift unseren Angriff ab und gewieft, wie sie ist, wirft sie den Ball weg. Zack, 2 Minuten für sie. Normalerweise natürlich ein Fall für die Mannschaftskasse, weil Strafen für Disziplinlosigkeiten ein Team empfindlich schwächen. Aber nicht die Golden Girls. Der Schieri war so naiv und ist auf Hannas Trick hereingefallen. Um den Trick nicht sofort auffliegen zu lassen, kassieren wir noch schnell einen Gegentreffer, aber Unterzahl können wir. Neomi und Lotti (wer auch sonst) verkürzen um einen weiteren Treffer auf 13-15. Nur noch -2 und noch gute 40 Sekunden in Halbzeit eins zu spielen. Leider reichen dem Mann in Schwarz die Strafzeiten nicht und er geht ebenso freimütig mit 7-Metern um. Einer wird noch für Arsten gegeben und da auch Azra für das Heimteam heute gut trifft, gehen wir mit 13-16 in die Kabine.
Team- und Kampfgeist wird in der Kabine beschworen. Die laufenden Nase, der bellende Husten oder die schmerzenden Füße sollen nicht als Ausrede benutzt werden. Wir sind stark, wir sind die Golden Girls. Sarah schickt eine aufmunternde Sprachnachricht aus ihrer Coronaisolation. Doch statt aufputschend, sorgt diese eher für feuchte Augen bei den Spielerinnen. Egal. Weiter geht es und drei Tore sind beim Handball nichts. Wenn ein wenig das Glück um die Ecke schaut, wird es noch was.
Wer nimmt das Heft für unsere Truppe vom Deister in die Hand? Richtig, Lotti fängt direkt nach dem Wiederanpfiff an und nach einem Gegentreffer ist es Neomi, die mit dem Tor zum 15-17 wieder auf -2 stellt. In einer guten Minuten Tiefschlaf fangen wir uns zwar leider zwei weitere Treffer, aber nach gut 28 Minuten kann sich Rike endlich mal gegen ihre Krankheit durchsetzen und erzielt ihren ersten Treffer aus dem Spiel heraus. Tumult gibt es derweil am Kampfgericht. Unsere Bank tut alles, um das Team nach vorne zu peitschen. Jede Abwehraktion, jedes Tor, alles wird gefeiert und es wird gebrüllt. Das ist wohl ein wenig zu laut. Auf jeden Fall wird der Schiedsrichter zum Schiedsrichten gerufen. Der kann aber keine Regelwidrigkeit erkennen und ermahnt nur alle Parteien, den „Ball flach zu halten“. Auf Nachfrage durch Gidsel erhält unsere Bank sogar einen Freibrief zum Anfeuern und so wird es noch lauter. Einen kühlen Kopf bewahrt die Trainerin von Arsten. Hat sie schon mit dem Kniff der Manndeckung versucht, Rike aus dem Spiel zu nehmen, so ist wohl die einzige gewesen, die den Trick von Hannah durchschaut hat. Anscheinend hat sie heimliche Anweisungen erteilt und Azra, die beste am heutigen Tage bei Arsten, setzt um. Bei 29:10 und 32:51 langt sie zu und schnappt sich die Strafzeiten. Also vier Minuten die Golden Girls aus dem Spiel genommen. Einzig das gelingt, was bei 6-6 nicht klappt. Das Anspiel auf Außen. Leider auch nur 1x, aber Hannah ist die Nutznießerin und kann einen Treffer in dieser Zeit erzielen. 17-19 und noch gut 16 Minuten zu spielen. Ok, so langsam wird es. Viel Glück im Tor hat Jolina heute zwar nicht, aber zwei Bälle hat sie in dieser Zeit und jetzt kommen die Nerven ins Spiel. Nachdem Hannah ja den letzten Trick mit den Auszeiten überlistet hat, wird jetzt noch tiefer nach neuen Tricks gesucht. Und es wird einer gefunden. Wenn es mit einer Person wenig nichts wird, dann gehen eben zwei. 35:48 und 36:22 sind die magischen Zeiten. Also fast 1,5 Minuten 6-4 Überzahl. Einen 7-Meter gibt es zur zweiten Strafzeit obendrauf und da Rike wirft, steht es plötzlich 18-19. Alles wieder offen. Und Trickkiste hin oder her. In dieser Überzahl muss Arsten geknackt werden und mit dem Ausgleich wird Arsten einknicken. Ein Punkt oder gar der Sieg ist zum Greifen nahe. Doch man mag es nicht glauben. Wie auch gegen Hollenstedt schaffen es die Golden Girls nicht, aus dieser Überzahl Kapital zu schlagen. Im Gegenteil. Nachdem wieder fünf Spielerinnen auf dem Feld sind, erzielt Arsten einen Treffer und der lässt es knacken. Sprichwörtlich war das der Genickbruch. Geschockt lassen Abwehr und Jolina noch zwei Gegnerinnen passieren und in drei Minuten, wovon wir die Hälfte in Überzahl gespielt haben, wird aus -1 ein -4. Es steht nach 40 Minuten 18-22 und es fällt schwer, jetzt noch an ein Wunder zu glauben. Sarah, die per Videotelefonie in der zweiten Halbzeit am Spiel teilgenommen hat, wird wieder die Leitung gekappt. Das ist das Datenvolumen nicht mehr wert. Sie wird zwar weiter per „Ticker“ versorgt, aber das ist ja wie in der Steinzeit. Doch so sind auch gerade die Glieder der Truppe von Coach Köster. Sie fighten zwar noch, aber viele Würfe werden aus der zweiten Reihe abgefeuert und „Opfer“ der guten Torhüterin. Tja, wenn man eine Abwehr vor sich hat, kann man auch mal in Ruhe ein paar Bälle aus der Ferne erwarten. Hannah und Neomi können zwar auch nochmal Treffer erzielen und die Tore werden weiter gefeiert, aber auch fünf Minuten vor dem Ende liegen wir bei 20-24 mit vier Treffern hinten. Das ist leider keine Crunchtime. Rike kann auch nochmal einnetzen, aber gegen die letzte aufkeimende Hoffnung „ziehen“ die Bremerinnen nochmal eine Strafe und somit kann auch nur mit dem 7-Meter ein Treffer erzielt werden. 22-24 und die Niederlage ist „perfekt“.
Ein Duderstadtgefühl war es bei manchen an diesem Tag. Ein Gefühl nach dem Aufstehen, dass es nichts werden wird. Der Ausfall von Sarah und zu viele, die krankheitsbedingt keine 100% abrufen konnten, sorgten dafür, dass es eine selbsterfüllende Prophezeiung wurde. Wenn nur ein „Ausfall“ vorkommt, können wir alle schlagen. Wenn das Level weiter unter 100% fällt, kann man auch gegen jeden verlieren. Der Sieg für Arsten war letztlich verdient. Also Fazit kann man ja sagen, dass man einen Sieg nicht verdient hat, wenn man in 12 Minuten Überzahl nur ein Feldtor erzielen kann. Es war ja nicht mal so, dass die Torhüterin in diesen Phasen über sich hinausgewachsen ist. Die Nerven haben einfach nicht mitgespielt. Aber schon das zweite Mal? Leider zeigte das Team in diesen Phasen nicht die Spielzüge, die sie können. Sie verzettelten sich und schieben die Verantwortung so lange weiter, bis ein Pass daneben geht. All das zusammen sorgte leider dafür, dass die Edelgäste Vanesse und „Eddy“ dann die Aufgabe hatten, die Tränen zu trocknen. Trauer gibt es nicht nur bei den Spielerinnen, die auf der Platte standen. Auch Sara, Luisa und Doaa stand ein wenig Frust ins Gesicht geschrieben. Bedingt durch den Spielverlauf und die stetig glimmende Hoffnung, dass evtl. doch was geht, haben sie keine Spielminuten bekommen. Der Frust ist verständlich. Hoffen wir mal, dass es die Moral nicht bricht und sie weiter alles geben werden. Die nächste Chance sich zu empfehlen, kommt bestimmt. Dann muss man zugreifen. Aber das man in dieser Liga auch mal verlieren kann ist normal. Oyten kann sich eine Woche über den dritten Platz freuen, den wir ihnen durch diesen Ausrutscher mal kurz geliehen haben. Dann holen wir uns den Platz von ihnen wieder. Hoffen wir mal, dass alle gesund werden/bleiben. Aber so war nicht nur die Halle schlimmer als erwartet…
Für die Golden Girls spielten: Jolina (Tor/4 Paraden), Neomi (7), Rike (7), Lotti (6), Hannah (2), Ida, Lorena, Sara, Doaa, Jule und Gidsel
Weitere Informationen zur HSG Jugend findet ihr auf: HSG Wennigsen/Gehrden Handballjugend
