Weibliche B II: RSV Seelze vs HSG Wennigsen/Gehrden II

Wenn der Umzugswagen vor dem offenen Scheunentor auf dem Jahrmarkt parkt.

So umständlich die Überschrift auch ist, so spiegelt sie doch den Auftritt der BII in Seelze wider. Im Vorfeld beeinträchtigt das Verletzungspech bereits die Kaderliste für das Spiel. Im B- und C-Bereich gibt es etliche angeschlagene Spielerinnen, was zur Folge hat, dass die B II mit nur acht Spielerinnen in Seelze eintrifft. Vorerst tatsächlich sogar nur mit sieben. Sarah, die designierte Torhüterin weilt, bis knapp eine Stunde vor Spielbeginn noch bei der C-Jugend bei der SG Börde, um dort auszuhelfen. Hat dort am Ende auch nicht viel geholfen, zeigt aber die große Not an dem Wochenende und wird in einer anderen „Geschichte“ erzählt. Danke an der Stelle für diesen Einsatz und danke an die Mutter, die die Teilnahme an beiden Spielen möglich gemacht hat.

Während Sarah also noch im Auto weilt, machen sich die glorreichen Sieben in der Halle warm. Da ein verspätetes Treffen durchaus im Bereich des Möglichen ist, übernimmt in dieser Phase Lara „Gidsel“ Zechel den Part der Torhüterin. Wie ein Flummi hüpft sie zwischen den Pfosten umher und macht die Sache tatsächlich nicht so schlecht. Ein wenig scheint sie sogar an der Rolle Gefallen zu finden, denn einige Aufmerksame Beobachter wollen ein leicht enttäuschten Gesichtsausdruck auf ihrem Gesicht entdeckt haben, als Sarah rechtzeitig vor Spielbeginn die Platte betritt. Ein paar Minuten hätte sie wohl gerne mal die Torhüterskills ausprobiert. Aber seien wir ehrlich. Da gehört sie nicht hin.

Neidvoll gehen die Blicke auf die Ersatzbank der Heimmannschaft, die dort so viele sitzen haben, wie bei uns auf der Platte stehen. Das ist natürlich ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn es um das Tempospiel geht. Also lautet die Devise „Flach spielen und hoch gewinnen“. Äh, sorry, falsche Sportart. Da bin ich leicht ein wenig mit den Gedanken bei 96 gewesen. Also möglichst Tempo verschleppen und Kräfte schonen. Sie müssen ja für 50 Minuten reichen. Und auch wenn, im Sommer regelmäßige Runden um den Sportplatz zu den Trainingseinheiten gehörten, so wissen doch die Trainer, dass die meisten Mädels sich dabei ein wenig geschont haben. Aber Bangemachen gilt nicht und man hat schließlich letztes Jahr auch schon gegen einen Großteil des Seelzer Teams in der C-Jugend gespielt. Damals hatten sie uns im Rückspiel am Rande einer Niederlage und haben erst kurz vor Schluss den Kürzeren gezogen. Wir sind also doppelt gewarnt.

Los geht es mit einem schönen Tor vom Kreis durch Doaa nach ca. zwei Minuten. Sie ist es auch, die noch einmal zwei Minuten später eine gelbe Karte bekommt. Später fragt sie nochmal nach, was sie denn überhaupt gemacht hat. Ach Doaa, wenn ich wetten könnte, wer unsere erste rote Karte bekommt… Zumindest packt sie feste zu in der Abwehr, wie auch alle anderen. Die Abwehr steht. Es gelingt Seelze zwar nach knapp sechs Minuten der Ausgleich, aber die Abwehr steht so gut, dass die Trainerin des Heimteams schon kurze Zeit später, entnervt eine Auszeit nimmt. Nach vorne kommt zwar schon das erste Mal der berühmte Umzugswagen ins Spiel, der nicht getroffen wird, aber hinten steht die Abwehr und dahinter Sarah im Tor. Sie entschärft einen 7-Meter und wird erst nach 10 Minuten zum zweiten Mal überwunden. Zur der Zeit sitzt Gidsel gerade auf der Bank und brummt ihre obligatorische 2-Minutenstrafe ab. Auch sie wird die Farbe Rot wohl, im Laufe ihrer „Karriere“ nicht nur an der Ampel kennenlernen. Nun sind also 10 Minuten gespielt und es sind erst drei Tore gefallen. Doch dann geht es erstmal Schlag auf Schlag. Luisa und Sara drehen den Spieß um und wir können 3-2 in Führung gehen. Den Ausgleich kann Seelze zwar kontern, aber Gidsel macht es besser von der Linie und kann die erneute Führung für die Golden Girls erzielen. Dann aber wieder Ausgleich. Wieder erzielt Emily, die auch schon zum 3-3 getroffen hatte. Nach den drei Treffern in den ersten 10 Minuten, dauerte es jetzt nur ganze drei Minuten für fünf Treffer. Es steht also 4-4 nach 13 Minuten. Doch dann stellt uns Emily vor große Probleme. In der Abwehr packt sie kompromisslos zu und vorne übertölpelt sie uns mehrfach mit immer dem gleich Trick. Ein schneller Doppelpass mit einer Mitspielerin und schon kommt sie relativ frei zum Wurf und lässt Sarah keine Chance im Tor. So kassieren wir drei schnelle Gegentreffer und da wir vorne weiterhin weder das Scheunentor, noch den Umzugswagen treffen, steht es bald 5-8 aus unserer Sicht. Wir lungern schön auf dem Jahrmarkt rum und werfen fleißig Fahrkarten. Wenn es wenigstens einen Autoscooter dort geben würde, aber nein, nur die Wurfbude, in der es die genannten Fahrkarten gibt. Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass das Fehlwurffestival noch nicht den Höhepunkt erreicht hat. Aber es läuft gerade nicht wirklich bei uns. Gidsel kann zwar aus der zweiten Reihe noch ein schönes Tor werfen, aber besonders von außen, fischt die gute Torhüterin momentan einfach alles weg. Sara kann uns ein wenig aufwecken, als sie den nächsten 7-Meter hält. Gidsel macht es dann wieder besser von der Linie und da auch Sara noch einen Treffer erzielt, können wir uns mit einem 7-9 in die Kabine retten.

Die Köpfe sind rot und es macht sich schon leicht bemerkbar, dass unsere Auswechselbank nicht so reichhaltig besetzt ist. Aber noch ist nichts verloren. -2 ist im Handball nicht viel. Torchancen gab es ein paar, sie müssen halt nur reingehen. Es werden Tatiktipps verteilt und Wurfanweisungen gegeben. Dann wird das schon. Spielerisch sind wir ja leicht überlegen.

Zum Start in die zweite Hälfte fällt zwar bald das 7-10, aber Gidsel kann mit einem erneuten Treffer aus der Distanz, den Anschluss halten. Die Minute 27 wird dann, im Nachhinein betrachtet, leicht denkwürdig. Das 11-8 fällt und die Zuschauer feiern bereits auf der Tribüne. Der Betreiber der Wurfbude freut sich so sehr die Fahrkarten der Golden Girls, dass er beschließt, einen zweiten Stand für Seelze aufzumachen. Plötzlich wird Sarah im Tor immer größer. Zum dritten 7-Meter tritt entnervt einen neue Spielerin an, aber die scheint so viel Angst vor Sarah zu haben, dass sie am Tor vorbei zielt. Startschuss in der denkwürdigen Minute 27. Insgesamt 15 Minuten lang vernagelt Sarah ihr Tor. Das Team holt das Momentum auf seine Seite und schafft einen 3-0 Lauf durch Doaa, Gidsel und Luisa, der in Minute 40 im 11-11 gipfelt. Ausgleich. Wer hätte das gedacht. Aber eigentlich hätten wir schon führen müssen. Unsere „Wurfbude“ ist viel zu klein uns wir verwerfen reihenweise die Bälle. Sogar die Schiedsrichter teilt nach dem Schlusspfiff sein Mitgefühl mit. Selten so viele freie Fehlwürfe in einem Spiel gesehen. Aber egal. Erstmal ist der Ausgleich da. Wer hätte das gedacht. Die Zuschauer auf der Tribüne sicher nicht, die plötzlich wieder leise geworden sind. Seelze geht zwar unter großen Jubel, in Minute 42 wieder in Führung, aber nachdem Sara wieder egalisieren konnte, bringt die Aggressiv-Leaderin Gidsel uns seit langer Zeit mal wieder in Führung. Sind hier etwa 2 Punkte drin? Vor einem Jahr verlor nach einem ähnlichen Spielverlauf Seelze das Spiel in den letzten Minuten. Ob da beim Heimteam leichte Erinnerungen hochkommen? Damals endete die Partie in Tränen. Nach weiteren Besuchen in der Wurfbude muss man leider feststellen, dieses Mal ist Seelze gefestigter.  Sie schaffen mit einem Kraftakt wieder die Führung aber das letzte Tor zum Endstand 14-14 bleibt Gidsel mit einem 7-Meter vorenthalten.

So trennen wir uns schiedlich-friedlich unentschieden. Was bleibt ist die Erinnerung an einen nervenaufreibenden „Jahrmarktbesuch“ an der Wurfbude. Ich bin mir sicher, dass es zum Schluss ein wenig der Kopf war, der nicht mehr ganz so flink, vom erschöpften Körper getragen wurde. 1-2 Spielerinnen mehr und wir hätten das Spiel wohl für uns entscheiden können. Aber wir sind weiter ungeschlagen und beim nächsten Mal gehen die Bälle dann halt rein. Wir konnten uns immerhin 34!!! Torchancen herausarbeiten, die nicht in Toren endeten. Schlimmer wäre es gewesen, wenn wir keine Chancen gehabt hätten. Und die Abwehrarbeit war durchgehend gut. So gilt es, im Training, ein wenig Zielwasser zu trinken und ein wenig Kraft in den Würfen kann auch nicht fehlen. Schade ist es für Sarah, die mit 18 Paraden auf eine Quote von über 50% gekommen ist. Für uns wohl die Spielerin des Spiels. Aber das sehen die Spielerinnen aus Seelze wohl genau andersherum.

Für die Golden Girls spielten: Sarah (Tor/18 Paraden), Gidsel (7), Sara (3), Luisa (2), Doaa (2), Lorena, Emma und Alina.

Weitere Informationen zur HSG Jugend findet ihr auf: HSG Wennigsen/Gehrden Handballjugend

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