Weibliche C: HSG Wennigsen/Gehrden vs TuS Bothfeld v. 1904 e.V.

Das dreckige Dutzend

Wer bei dieser Überschrift an den erfolgreichen amerikanischen Film von 1968 denkt, liegt zwar nicht ganz falsch, aber es geht in diesem Bericht um ein sauberes, glänzendes Dutzend. Und zwar 12 Siege in Folge in der Regionsoberliga der weiblichen C-Jugend der Golden Girls. Die Flecken, die diese Siegesserie in den letzten beiden Spielen bekommen hat, sollten in diesem Spiel wieder wegpoliert werden. Die Spiele gegen Börde und Seelze wurden jeweils erst in der Schlussphase gedreht und hätten auch anders ausgehen können. Das sollte gegen Bothfeld nicht wieder passieren. Aber obwohl Bothfeld im unteren Drittel der Tabelle rangiert, waren sie nicht zu unterschätzen. Wusste man schließlich nicht, welches Bothfelder Team anreisen würde. Bothfeld in der normalen Besetzung spielt so, wie der Tabellenplatz es vermuten lässt. Doch wenn das Team von Kendra K. unterstützt wird, spielt es eine Klasse besser. Sehnde und Seelze mussten es leidvoll erfahren. Sie ist wohl neben Vanessa S. aus Sehnde, die Unterschiedspielerin der Liga. Über 13 Tore erzielt sie pro Spiel und wäre wohl auf Platz 1 der Torschützenliste, wenn sie öfter mitspielen könnte. Aber ihr Leistungsvermögen wird in der B-Jugend in der Verbandliga gebraucht.

War es vorher schon wahrscheinlich, offenbarte der Blick auf den Spielberichtsbogen endgültig. Das Team ohne Kendra angereist war. Da war es dann auch nicht weiter tragisch, das Maskottchen und Chefstatistiker Torben, erst kurz vor dem Spiel eintraf und nicht mit seinem unnützen Wissen über den Gegner angeben konnte. Das Fehlen des Topstars beruhigte dann auch die Nerven der Mädels vom Deister ein wenig, die nach den beiden nervenaufreibenden Spielen, mal wieder etwas früher ihre Punkte unter Dach und Fach bekommen wollten.

Und so legte das Trio Infernale: Leni, Neomi und Rike auch gleich zum Start los. Jede Minute ein Tor und schon steht es 3-0. Bothfeld muckt dann zwar kurz auf und erzielt den Treffer zum 3-1, aber Rike legt gleich wieder zwei Mal nach und es steht nach knapp sechs Minuten 5-1. Anni, die das erste Bothfelder Tor erzielt hatte, konnte auch zum 5-2 treffen, aber auch Neomi erzielte ihren zweiten Treffer. Dann kam Rike. Warf sie gegen Seelze noch so viele Fahrkarten, als wollte sie quer mit der Bahn durch Deutschland reisen, war sie in dieser Phase hellwach und machte mit der Abwehr, was sie wollte. Ihr vierter Treffer war die Folge. Sieben Tore nach knapp sieben Minuten und es war bereits in dieser Phase klar. Alles andere als ein deutlicher Heimsieg hätte in jedem Wettbüro für hohe Quoten gesorgt. Dem alten Muster folgend, hätten wieder zwei Tore für die Heimmannschaft fallen müssen. Doch anstatt wie im Training, den Ball einfach ins Eck zu feuern, entschied sich Neomi dazu, den Ball schön locker, links am Tor vorbeizuwerfen. So blieb es in Lenis Verantwortung, wenigstens ein Tor zu erzielen, bevor Bothfeld wieder zuschlug oder zumindest leicht tätschelte. Das konnte Neomi dann aber doch nicht auf sich sitzen lassen. Immerhin ist sie mittlerweile in Schlagdistanz zu Platz 1 der Torjägerliste gekommen. Zwei schnelle Tore von ihr sorgten für ein +6 und damit einen komfortablen Vorsprung. Dann wurde ein wenig durchgewechselt und nach zwei Gegentoren und Treffern von Rike, Leni und Doaa nahm Bothfeld eine Auszeit. Zu korrigieren gab es zwar nicht viel, aber ein paar Ansagen können schließlich nie schaden. Während Issy sich gleich nach der Einwechslung mit einem Treffer einführen konnte, verwechselte Jule anscheinend die Sportart und lud ihre Gegenspielerin zum Tanze. Als die im 1:1 an Jule vorbei wollte, nahm Jule sie, schon fast zärtlich, in den Arm und schwang sie im Stile des Walzers umher. Der Schiedsrichter bewertete allerdings nicht den schönen Schwung sondern gab für diese Einlage eine 2-Minuten Strafe. Na gut, kann man geben. Aber anstatt sich in der Unterzahl nach hinten drängen zu lassen, gaben die Golden Girls weiter Vollgas und erzielten in dieser Zeit, bei nur einem Gegentor, tatsächlich drei Treffer. Dann war es an Jule, den nächsten 7-Meter zu werfen. Doch sie war immer noch im Tanzmodus. Anstatt ihren „Trainingsarm“ zu nutzen, der Würfe nahe der Schallmauer ermöglicht, war das eher ein Arm, mit dem man auch einen Partner zum Tanz geleiten würde. Es kam, wie es kommen musste, der Wurf wurde gehalten. Nicht weiter tragisch, da genug Tore aus dem Spiel heraus erzielt werden. Der Vorsprung wuchs weiter langsam an und man konnte mit einem beruhigenden 21-10 in die Kabine gehen.

Bei einem solchen Vorsprung muss natürlich nicht viel kritisiert werden. Allerdings wurde nochmal darauf hingewiesen, dass man, mal wieder, die Außen und den Kreis etwas besser einbinden und ein paar Spielzüge ausprobieren könnte. Außerdem sollte des Öfteren ein Freiwurf von der Mitte mal mit einem Block und Wurf abgeschlossen werden und nicht nur mit der normalen Spielfortsetzung.

Leni, die in der ersten Halbzeit mit einer 100% Quote bereits sechs Treffer erzielt hatte, ließ es etwas ruhiger angehen, wollte aber zeigen, dass mehr beherrscht als den berühmten „Leni-Kringel“ und spielte einen schönen Doppelpass mit Jule. Viel eher, wollte spielen. Denn Jule dreht ihr noch den Rücken zu und so wurde der Pass nicht in die Hände, sondern auf den Hacken gespielt. Das hatte zwei Dinge zur Folge. Der Hacken spielte den Pass nicht sonderlich genau zurück, sondern irgendwohin. Als Folge zwei fand der Schiedsrichter sogar, dass das Fuß war und Pfiff ab. Immerhin unterstellte er Jule keine Absicht für ihre Tanzschritte und es gab nur den Ballwechsel. Es war ohnehin eine etwas langweiligere Halbzeit wenn da nicht die künstlerischen Darbietungen gewesen wären. Vom Ergebnis her, verlief sie ähnlich wie Halbzeit eins. Es wurde zwar ein Tor weniger geworfen, aber da am Ende ein überzeugendes 41-20 auf der Anzeigentafel stand war der Spielverlauf eher zweitrangig. Nachdem sie „ihre“ Tanzeinlage ja bereits in den ersten 25 Minuten gezeigt hatte, verlegte Jule sich wieder etwas mehr auf das, was sie auszeichnet. Auch wenn zwei Würfe noch ihr Ziel fanden, wird sie wohl nicht ganz vorne in der Torjägerliste landen. Dafür setze sie aber ihre Mitspielerinnen mehrfach mit schönen Pässen gekonnt in Szene. Besonders Doaa konnte sich am Kreis über mehrere Anspiele freuen. Leni ließ sich den Doppelpassversuch nochmal durch den Kopf gehen und versuchte ihn nachzuspielen. Leider vergas sie, dass an so etwas allein beim Anwurf am Mittelkreis nicht ausprobieren sollte und erneut erwies sich der Unparteiische als Spielverderber und ließ den Ball den Gästen zukommen. In so einem Spiel sollte doch den Spielerinnen ein wenig mehr künstlerische Freiheit zugestanden werden. Das dachte sich auch Elif. Wie eh und je zeigte sie nicht nur die eleganteste Körperhaltung, sie konnte auch mehrere Angriffe punktgenau abschließen. Leider war der Punkt in diesem Falle immer die Linie des 6-Meter Kreises. Da der aber erst nach dem Abschluss des Wurfes betreten werden darf, konnte leider keiner der schönen Würfe gewertet werden. Die Recken hatten einen Tag später ja einen „Musikspieltag“ angekündigt und so überlegte Sven eifrig, wie er dem Spiel „seiner“ Mädchen mit dem „Spieltag der Kunst“ noch eins draufsetzen konnte. Da kam die passende Idee, die mit Hilfe der Bothfelder Abwehr auch umgesetzt werden konnte. Die Wahl des schönsten 7-Meters.

Es traten an.

Minute 8:38 Neomi mit einem langen Arm und dem Oberkörper nach vorne. Schön anzusehen aber leider vorbei.

Minute 20:01 Jule noch im Tanzmodus mit halber Kraft und in die Arme der Torhüterin.

Minute 30:40 Issy völlig ohne Humor. Wenn alle links werfen, nehme ich rechts

Minute 31:48 Emma am genauesten. Im Winkel ist es am sichersten.

Minute 43:01 Melina noch genauer. Ohne Winkel aber mit Latte.

Minute 49:17 Greta die schönste Verzögerung aber auf dem Weg zum ersten Tor links vorbei.

Bevor eine Jury die schönste Ausführung küren konnte, wurde der Wettbewerb auch schon wieder vergessen. So blieben viele schöne Tore, lustige Szenen, ein ungefährdeter Sieg und ausgelassener Jubel von dem Spiel in Erinnerung. Leider muss man sagen, dass Bothfeld ohne ihre Ausnahmekönnerin gegen die Golden Girls ohne Chance waren. Aber wer den Spielplan ausgiebig studiert, wird Hoffnung für das Rückspiel sehen. Mit etwas Glück sehen wir sie dann und das Spiel wird etwas spannender. Also kann man sagen, dass die paar Flecken, die durch die vergangenen Spiele auf der Siegesserie zu sehen waren, mit diesen Spiel schön wegpoliert wurden. Aus Wennigser Sicht, ist die Tabelle wirklich schön anzuschauen.

Nun sind es noch vier Spiele in dieser Saison und bereits am nächsten Wochenende geht es mit dem vorletzten Heimspiel der Saison gegen die Hiddestorfer Füchse weiter.

Für die Golden Girls spielten: Lotta (Tor/11 Paraden), Neomi (10), Rike (10), Issy (9), Leni (6), Doaa (3), Jule (2), Emma (1), Greta, Alina, Melina, Lucy, Elif und Adina

Mehr Informationen zur Handballjugend der HSG Wennigsen/Gehrden gibt es unter:

hsg-handballkids.bplaced.net

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